Wirken in Monheim am Rhein und auf Haus Bürgel
Wie bei kaum einer anderen Person ist Ingeborg Friebes politisches Wirken mit der Entwicklung Monheims zu dem verbunden, was es heute ist: eine lebenswerte Stadt. Als junge Landtagsabgeordnete kämpfte sie 1975 und 1976 mit Mut, Beharrlichkeit und großem politischen Geschick für die Wiedererlangung der Monheimer Selbstständigkeit. Anschließend stand sie etwas mehr als 21 Jahre als Bürgermeisterin an der Spitze ihrer Wahlheimat und gestaltete deren Entwicklung entscheidend mit. Und auch auf Haus Bürgel hinterlässt ihr langjähriges und engagiertes Wirken Spuren, die weit über ihren Tod hinaus sichtbar bleiben.
Friebes Weitsicht und ihrem unermüdlichen Einsatz für den Erhalt des kulturellen Erbes Haus Bürgel als junge Bürgermeisterin ist es zu verdanken, dass der historische Gutshof heute neben der Kaltblutpferdezucht Reuter auch die Biologische Station Haus Bürgel Stadt Düsseldorf Kreis Mettmann und das Römische Museum unter seinem Dach vereint. Dem ursprünglichen Vorhaben, das Anwesen in den späten 80er Jahren zu privatisieren, trat sie entschieden entgegen und setze sich stattdessen dafür ein, die Geschichte des ehemaligen Römerkastells mit einem Museum der interessierten Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Auch die Absichten der wenige Jahre später gegründeten Nordrhein-Westfalen Stiftung, Haus Bürgel und das umliegende Land zu erwerben, unterstützte sie neben Johannes Rau als Vorsitzendem des Stiftungsrates und Minister Dr. Diether Denecke als erstem Präsidenten des Vorstands erfolgreich und ermöglichte so ein Zusammenwirken, das noch immer Bestand hat.
Von 1989 bis 2007 übernahm Friebe fortan den Vorsitz der zeitgleich gegründeten Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe Haus Bürgel e.V., aus der 2019 die gemeinnützige Haus Bürgel Betriebs gGmbH entstehen sollte, die heute in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Monheim am Rhein sowie der Nordrhein-Westfalen Stiftung das Bau- und Bodendenkmal Haus Bürgel verwaltet.
Friebes Jahre als Gründungsvorsitzende waren geprägt vom Aufbau des Römischen Museums und viele ihrer Ideen, wie etwa der Ausbau eines archäologischen Außenpfads, sind noch heute wichtige Bestandteile des Vermittlungskonzepts für Besucherinnen und Besucher vor Ort.
Auch beim Wiederaufbau nach einem Großbrand auf dem Gutshof im Jahr 2000 brachte sich Friebe entscheidend und mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen Bedürfnisse des Dreiklangs aus Landwirtschaft, Museum und Biologischer Station ein und lenkte die Geschicke des Vereins mit gewohnter Umsicht und großem Engagement.
Erste Frau an der Spitze des Landtags
Parallel zu ihrem Bürgermeisteramt bei der Stadt Monheim am Rhein machte Ingeborg Friebe auch landespolitisch Karriere. Von 1975 bis 1995 gehörte sie dem nordrhein-westfälischen Landtag an. 1980, 1985 und 1990 gewann sie jeweils das Direktmandat in ihrem Wahlkreis. 1985 wählte der Landtag sie zur Vizepräsidentin. Fünf Jahre später wurde sie als erste Frau in der Geschichte Nordrhein-Westfalens Präsidentin des Landesparlaments.
Höchste Auszeichnungen für ihr Lebenswerk
Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin blieb Ingeborg Friebe der Monheimer Kommunalpolitik zunächst als stellvertretende Bürgermeisterin verbunden. 1999 schied sie aus dem Rat aus.
Für ihr politisches und gesellschaftliches Engagement erhielt sie zahlreiche hohe Auszeichnungen. Mehrfach wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Zu ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1991 ernannte Monheims österreichische Partnerstadt Wiener Neustadt sie zur Ehrenbürgerin. 1996 erhielt sie mit dem Ehrenring die höchste Auszeichnung der Stadt Monheim am Rhein.
Eine besondere Würdigung folgte im Jahr 2000: Für ihre Lebensleistung zum Wohle der Stadt wurde Ingeborg Friebe zur Ehrenbürgermeisterin ernannt. Diese Auszeichnung ist in Monheim am Rhein bis heute einmalig.
Zu ihrem 90. Geburtstag am 20. April 2021 setzte die Stadt ihrer Ehrenbürgermeisterin schließlich auch im Stadtbild ein dauerhaftes Zeichen. Der zentrale Platz rund um den Busbahnhof erhielt den Namen Ingeborg-Friebe-Platz.
Die Lage könnte kaum symbolträchtiger sein: Der Platz befindet sich mitten in jener Stadtmitte, deren Entwicklung Ingeborg Friebe während ihrer Amtszeit selbst entscheidend mit auf den Weg gebracht hatte.
Und auch die Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe Haus Bürgel e.V. würdigte Friebes herausragenden Einsatz mit einer Auszeichnung: Im Jahr 2011 wurde ihr die Ehrengabe „Castellum“ der Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe Haus Bürgel e.V. verliehen und seit 2015 ist sie zudem Ehrenmitglied des Fördervereins Haus Bürgel e.V..
Ingeborg Friebe verstarb am 11. August 2026 im Alter von 95 Jahren. Haus Bürgel mit der Biologischen Station, dem Römischen Museum, dem Förderverein Haus Bürgel e.V. sowie Familie Reuter behalten sie dankbar in Erinnerung. Das Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und ihren Familien.
(ts) (lp)



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